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Tötet, mordet und schändet – aber bitte ehrenvoll

February 5th, 2010 2 comments

Liebe Leser,

dieser Blogeintrag basiert auf den Vorkommnissen der vergangenen Tage und hat mein Gemüt sehr erregt. Es ist ein Eintrag, bei dem ich mir nicht ganz sicher bin, wie objektiv ich das Thema sehe. Dennoch ist es mir ein Bedürfnis, dies zu kommentieren.

Ali Mahlodji

Manchmal denke ich, es wäre besser das Wort Ehre durch Respekt zu ersetzen.

Ehre bedeutet in etwa Achtungswürdigkeit (einer Person), sie kann jemandem als Mitglied eines Kollektivs zuerkannt werden (Ehre des Weibes, des Edelmannes, des Handwerkers u. a. m.), sie kann aber auch (etwa durch die Nobilitierung oder eineOrdensverleihung) vom dazu Berechtigten zugesprochen werden (The Queen is the fountain of honour).

Gegenüber jemandem, dem man sich an Ehre sehr unterlegen fühlt, gibt man sich ehrerbietig. Jemanden ehren bedeutet, ihm eine neue Ehre zuzuerkennen.

Das Gegenteil der Ehre ist die Schande. In der westlichen Welt ist hiermit oft der Verlust der Ehre oder in milderer Form eine persönliche Blamage gemeint.

Wikipedia, 2010

Manchmal denke ich auch, Menschen haben vergessen, warum wir respektieren oder respektiert werden. Für meine Generation ist es vielleicht selbstverständlich von Leistung und Taten als Grundlage des Respekts zu sprechen. Zumindest ist es eine sinnvolle Art und Weise, in den Genuss von Ehre und Respekt zu kommen und sich diesen zu verdienen.

Wir waren schon am Mond, wir können in ferne Planetensysteme blicken, wir haben die besten Technologien, wir können uns die Kraft der Sonne zunutze machen … und dennoch wird in unserer Zeit ein 16-jähriges Mädchen von der eigenen Familie ermordet, weil es angeblich Schande über diese gebracht hat. In den Augen vieler ein gerechtfertigter Tod im Namen der Ehre.

Ehrenmord in der Türkei

Lebendig begraben

Grab für eine Ungehorsame: Weil sie Kontakt zu Männern hatte, ist ein 16-jähriges Mädchen in Anatolien von der eigenen Familie offenbar grausam bestraft worden.

Eine 16-Jährige ist im Südosten der Türkei Medienberichten zufolge von der eigenen Familie lebendig begraben worden. So sollte die vermeintlich beschmutzte Ehre des Mädchens wiederhergestellt werden. Die Ermordete sei von ihren Angehörigen verdächtigt worden, Kontakt zu Männer zu pflegen, meldete die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu am Donnerstag unter Verweis auf den Autopsiebericht. Ihr Vater und Großvater seien festgenommen worden, hüllten sich aber in Schweigen.

Die Tote sei in sitzender Position in einem zwei Meter tiefen Grab gefunden worden, zitierte Anadolu einen Pathologen der Stadt Malatya im mehrheitlich von Kurden bewohnten Südost-Anatolien. Die Autopsie habe ergeben, dass in Lunge und Magen der jungen Frau Erde gewesen sei, “was bedeutet, dass sie lebend begraben wurde”. “Das Mädchen hatte die Hände gefesselt und war bei Bewusstsein, als das Verbrechen begangen wurde”, sagte der Rechtsmediziner demnach weiter.

Die Leiche der jungen Frau war bereits im Dezember im Garten der Familie in der Stadt Kahta gefunden worden. Mehr als einen Monat zuvor war der Teenager als vermisst gemeldet worden.

In den vergangenen Jahren hat es verstärkte Anstrengungen im Kampf gegen so genannte Ehrenmorde in der Türkei gegeben. Doch gerade in kurdischen Gebieten sind Verbrechen im Namen der Ehre immer noch häufig und werden von vielen Menschen akzeptiert. Unter dem Druck der EU wurden die Strafen für “Ehrenmorde” verschärft, inzwischen droht bei einer Verurteilung lebenslange Haft.

Sueddeutsche.de – 04.02.2010

Auch wenn die Familie angeklagt wurde und es zu einer Verurteilung kommen wird. Ihre eigene Tochter war erst 16 Jahre alt und hatte das ganze Leben noch vor sich.

Dieses junge Mädchen auf grausamste Art und Weise zu ermorden, um damit die Ehre der Familie wiederherzustellen, wirft mir die Frage auf, wie weit unsere Gesellschaft eigentlich wirklich gewachsen ist.

Dieser Mord wurde ausgeführt, um in den Augen der anderen Menschen (Nachbarn, Freunde, etc.) wieder richtig dazustehen – um wieder ehrbar zu sein.

Tausche Mord für die Ehre einer Familie …

darf nicht allen Ernstes auf dieser Welt gelten.


Wie dumm sind Menschen, welche denken, die eigene Tochter könnte den Respekt der ganzen Familie beschmutzen? Dies ist kein Einzelfall, sondern in vielen Regionen dieser Welt immer noch ein akzeptiertes Mittel, damit die Außenansicht gegenüber anderen Menschen gewahrt bleibt.

Wir brauchen aber nicht mal so weit weg zu blicken, auch bei uns vor Ort geht es oft rauf und runter, weil irgendwer sich von irgendwem in “seiner Ehre” beleidigt fühlt.

Auch eine Wirtshausschlägerei, welche auf Ehrenbeleidigung fußt, darf in unserer Gesellschaft nicht akzeptiert werden.


Der Spruch “bei meiner Ehr’” sollte dort bleiben, wo er hingehört – in eine Fernsehwerbung.

Ich bin dafür, eine Gesellschaft zu forcieren, in der Respekt und Ehre wirklich nur durch Taten und Wirken erworben werden können.

Und nicht, weil es nun mal so ist, dass der Ältere automatisch der Ehrwürdigste ist und alle Jugendlichen daher kuschen müssen.

Hitler wäre, falls er leben würde, mittlerweile um einiges älter als ich – ist dies ein Grund, ihm Ehre und Respekt entgegenzubringen? Wohl kaum.


Mein jüngerer Bruder muss in den Augen vieler Menschen seinem älteren Bruder, also mir, automatisch mehr Respekt entgegenbringen. Verlange ich das? Nein! Natürlich will ich von jüngeren respektiert werden, aber nicht, weil es so sein MUSS, sondern weil es auf Freiwilligkeit beruhen sollte und weil ich es mir verdienen möchte.

Ihr Schläger, Mörder und Zivilversager … denkt das nächste Mal daran, was ihr im Namen von Ehre und Respekt tut.

Dies gilt übrigens auch für alle, welche irgendwelche Wahnsinnstaten im Namen Gottes, Allah’s, Jehova, etc. ausüben.

Denkt als Menschen und handelt auch so – ohne verwässerte Sonnenbrille, welche euch von außen aufgesetzt wurde.