Im Karrierenteil vom heutigen Kurier (19. September 2009) ist auf der letzten Seite ein Bericht über Olugbenga Oduala zu finden, der mich zu diesem Blogeintrag bewogen hat.
Olugbenga Oduala ist seines Zeichens Porr-Vorstand und damit der einzige Afrikaner, der es ins Top-Management der heimischen Industrie geschafft hat.
Er kam als Flüchtling nach Österreich, hat hier die Matura absolviert und danach gleich ein Studium an der TU Wien absolviert und es in nur 20 Jahren an die Spitze der Porr geschafft.
Für viele, die dies nicht wussten, eine unglaubliche Geschichte einer Ausnahmeerscheinung. Darauf angesprochen, sagt er selbst
“Ich bin keine Ausnahme. Viele Afrikaner sind mindestens so gescheit wie ich”.
Eine Aussage von Oduala, welche mich zum Nachdenken gebracht hat, ist seine Reaktion auf das Thema Vorurteile, welche aus Rassismus entstehen: “Im oberen Management gibt es auch Rassismus. Der ist aber feiner. Da geht es um den Tonfall.”

Oduala inspiriert mich, weil er dieses Thema nicht runterspielt, sondern sehr wohl sagt, dass es ihm genauso ergeht wie vielen anderen Ausländern.
Eine Sache, die ich leider seit Jahren immer wieder höre, ist
“ach Ali, du bist doch gar kein Ausländer mehr. Du sprichst perfekt Deutsch, bist integriert und hast ja auch die Staatsbürgerschaft”.
Dies höre ich zumeist, wenn ich Hetze gegen Ausländer anprangere und dies schon im kleinsten Kreis, sei es beruflicher oder privater Natur, empfinde.
Darauf erwidere ich dann zumeist
“ob das auch 5 Neo-Nazis in mir sehen, wenn wir uns Nachts begegnen?”.
Etwas provokant formuliert, aber leider Tatsache. Für meinen Bekanntenkreis (privat und beruflich) gibt es dieses Ausländerhetz-Problem nicht mehr, da ich es in ihren Augen “geschafft habe”, es vom Flüchtlingskind aus Traiskirchen zum Akademiker mit einem Spitzenjob in einem internationalen Unternehmen zu bringen.
Wenn aber ein Olugbenga Oduala, der es in den Augen vieler, ganz an die Spitze geschafft hat, von seiner Position aus erzählt, dass ihm dies auch immer wieder begegnet, dann kann ich nur sagen, dass es niemals aufhören wird, solange Hetze und Mobbing ein Teil unserer Gesellschaft sind.
Jede Aussage a la
“ich hab ja nichts gegen Ausländer, aber [... bitte hier irgendein Vorurteil einfügen ...]“
trägt dazu bei, dass das Thema Rassismus einen Nährboden bekommt. Einen Nährboden, der gefährlich ist, weil er schleichend zum Selbstverständlichen führt. Nähmlich der Toleranz von ausländerfeindlichen Äußerungen.
Es ist im Grunde egal, ob man in einem Dorf in einer kleinen Kneipe arbeitet, oder bei einem internationalen Konzern. Vorurteile existieren überall wo es Menschen gibt, weil Vorurteile einfach menschlich sind. Auch wenn man es von außen her “schon längst geschafft hat, sich zu integrieren und zu etablieren”.

Rassismus und “Anders-sein” geht Hand in Hand mit der teilweise vorhandenen Angst vor Diversity. Sei dies jetzt auf Homosexualität oder der Unterscheidung Mann/Frau bezogen. Mit Menschen auszukommen, die anders sind, macht vielen Angst und zeigt sich dann in Äußerungen und Aktionen, welche diese “anderen” Menschen verletzen und ausgrenzen.
Anstatt in diesem Unterschied eine Chance des Wachsens und der Lernens zu empfinden, wird nur allzu oft eine Wand der Ignoranz aufgezogen.
Das Personalberatungsunternehmen Secretary Search mit Sitz in Wien, nimmt sich dieses Themas bewusst an und hat daher die Plattform Diversity Search ins Leben gerufen, welches das Thema “Diversity in Unternehmen” zurecht als Chance und Möglichkeit sieht. In Kürze wird es hier eine Umfrage mit dem Inhalt “Der Stellenwert von Diversity Management in österreichischen Unternehmen” geben, auf dessen Ergebnisse ich schon sehr gespannt bin.
Mal sehen, ob diese Ergebnisse vieles von dem wiederspiegeln, was nur allzuoft unter den Tisch gekehrt wird.
Schönes Wochenende